Sabine Roth
Schreibt für Berufung-Tagebuch
Über Sabine
38 Jahre alt, seit einiger Zeit in einer Altbauwohnung in der Karlsruher Südstadt. Der Küchentisch aus Holz hat an den Ecken schon die Schutzschicht verloren, das Fenster zeigt zum Hinterhof, Tageslicht kommt meistens erst spät am Vormittag an. Daneben ein Pinnwandstreifen mit den Unterlagen, die gerade wichtig sind. Notizbuch und Laptop liegen dort nebeneinander, ein eigenes Arbeitszimmer gibt es in der Wohnung nicht.
Zwölf Jahre Senior Marketing Managerin bei einem Mittelstandsunternehmen, Teamverantwortung, Budgets, Meetings die selten vor 19 Uhr endeten. Im Mai 2025 kam der Zusammenbruch, kein gewöhnliches Erschöpfungstief, ein ausgewachsener Burnout mit allem was dazugehört. Den Sommer über nicht gearbeitet, im September gekündigt, ohne Plan B.
Human Design kam zum ersten Mal über Joachim ins Spiel, einen alten Bekannten aus dem Freundeskreis. Sommer 2024, ein Grillabend, er erzählte nebenbei von seinem eigenen Chart, nicht als Empfehlung, eher als beiläufige Geschichte aus seinem Umfeld. Es blieb einfach hängen. Erst Monate später, mitten in der Kündigungszeit, kam die Erinnerung zurück, und aus der Anekdote wurde das erste eigene Reading.
Das Ergebnis: Generator. Zwölf Jahre lang hatte sie sich verhalten wie ein Manifestor, hatte Projekte gestartet bevor überhaupt eine Sakralantwort gefragt wurde, hatte auf eigene Initiative reagiert statt zu warten. Nach außen hat das funktioniert. Von innen hat es aufgebraucht.
Der Alltag jetzt: die Stadtbibliothek als kostenloses Ausweichquartier, wenn die Wohnung zu klein wird. Ein Wasserkocher, der ständig angestellt und dann wieder vergessen wird. Manchmal klopft die Nachbarin Halima aus dem Stockwerk darunter abends kurz an, wenn sie Suppe kocht und Gesellschaft will, und das Gespräch geht dann schneller zu echten Themen als jedes Bewerbungsgespräch.
Was hier steht, kommt aus genau diesem einen Werdegang: zwölf Jahre Marketing, ein Burnout, ein Kündigungssommer ohne Anschlussplan. Für eine Coaching-Ausbildung, eine Karriereberatungs-Lizenz oder eine therapeutische Zulassung reicht das nicht, und genau deshalb bleibt hier alles bei dem stehen, was tatsächlich selbst erlebt, gekauft und ausprobiert wurde. Wenn die Sakralantwort eindeutig Nein sagt und trotzdem zugesagt wird, steht das hier genauso.
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